Duzen oder Siezen?

Totgesagte leben länger – Warum Siezen im Business nie aus der Mode kommen wird

Inhalt

Ist das Siezen in Zeiten von Social Media „out“? Wenn nicht, wer bietet wem das Du im Business an? Was sagt denn eigentlich das Knigge Buch dazu?

In Ihrem Gastbeitrag auf meinem Blog erklärt Sabine Lansing, Gründerin von Knigge-Wissen.de, warum das Siezen nicht aus der Mode kommt und wie Sie die richtige Kundenansprache für Ihr Unternehmen finden. Sie klärt außerdem mit dem Vorurteil auf, Knigge sei antiquiert und angestaubt.

Ist das Siezen totgeweiht?

Vor einigen Tagen bin ich über einen Artikel von Dr. Sabrina Zeplin gestolpert. Unter dem Titel „Die Zukunft der Arbeit kennt kein Sie‘“ erklärt die Geschäftsführerin von Deutschlands größtem Business-Netzwerk, dass die Kunden dort ab sofort nur noch geduzt werden.

Ihre Botschaft hat mich lange beschäftigt. Möchte ich eigentlich von jedem und einfach so geduzt werden?

Ich mag das "Sie"

Das „Sie“ bietet mir Sicherheit, Distanz und ja, auch ein wenig mehr Raum für mich. Allerdings ist es unverbindlicher. Das „Du“ ist mir manchmal zu viel Nähe, zu fordern und auch zu persönlich.

Während einer Diskussion innerhalb der Familie sagte meine Schwiegertocher, sie mag das „Sie“, denn es erscheint ihr wie eine Armlänge Abstand. In Zeiten von Corona wusste ich genau was sie damit meint.

Ist das "Du" grenzüberschreitend?

Das „Du“ ist nah. Flapsige Kommentare lassen sich in der Sie-Form viel schlechter formulieren, also bietet es einem auch Schutz vor zu lockeren Sprüchen.

Besonders im beruflichen Kontext kann das vorschnelle Duzen zu großen Schwierigkeiten führen. Gerade in der kreativen Szene oder in der IT Branche ist das ‚Du‘ die übliche Anredeform. Doch auch hier gibt es Schnittstellen zu externen Bereichen.

Ein Beispiel:

In einem Medienunternehmen wird den neuen Mitarbeitern gleich im Bewerbungsgespräch gesagt, im Unternehmen duzen sich alle, auch der Chef wird geduzt. Soweit so gut.

Nun ist es aber so, dass es in dem Unternehmen auch einen Aufsichtsrat gibt. Wird der nun auch geduzt?

Bei einer Schulung entwickelte sich daraus eine recht spannende Auseinandersetzung. Einige Kollegen bejahten dies, andere sahen hier die Grenze.

Wer hat Recht?

Es gibt leider keine klare Definition und damit ist dieser Bereich eine Grauzone, der sich zum Rutschbrett entwickeln kann.

In meinen Seminaren gebe ich immer den Rat, im Zweifel das ‚Sie zu verwenden. Niemand ist beleidigt, wenn er gesiezt wird. Andersrum kann aber auf das „Du“ ungehalten reagiert werden. Und wer möchte schon gerne die Frage hören: „Kennen wir uns? Nein? Warum duzen Sie mich dann?“

Digitale versus reale Welt

Doch in der digitalen Welt ist das ‚Du‘ normal, aber ist die digitale Welt gleichzusetzen mit der realen Welt? Auch das geht nicht und genau da stoßen wir dann auf das Problem. Wie gehe ich damit um, wenn ich jemanden in der digitalen Welt kennengelernt habe und dort das ‚Du‘ als normale Anrede verwendet habe und nun in der offline Welt eigentlich das ‚Sie‘ verwenden würde? Nun vom ‚Du‘ geht es nicht mehr zurück ins ‚Sie‘, auch wenn wir uns damit dann in der Realität unwohl fühlen. Doch einfach drauflos duzen? Ich würde davon abraten. Thematisieren Sie das Du-Sie-Problem.

Sprechen Sie ihr Gegenüber darauf an. „Wie wollen wir es halten? Weiterhin duzen oder siezen?

Sie werden sich sicherlich auf das ‚Du‘ einigen, aber der Moment des Unwohlseins, den es auf beiden Seiten gibt, wird damit überbrückt und sie können entspannt das „neue Du“ nutzen.

Wie sieht es in der Kombination reale und Business-Welt aus?

Auch in der realen Welt gibt es Bereiche, in denen automatisch geduzt wird. In Interessensgemeinschaften, im Sportverein, manchmal auch in internationalen Unternehmen.

Im beruflichen Kontext versteht es sich, dass ich zum Beispiel als neuer Mitarbeiter warte, bis man mir das „Du“ anbietet.

Aber wie gehe ich damit um, wenn ich jemanden durch den Sportverein kenne und nun beruflich mit ihm zu tun habe? Die schlechteste Variante ist ein Misch-Masch aus „Du“ und „Sie“.  Klären Sie mit Ihrem Bekannten, wie Sie verfahren wollen. Derjenige mit der ranghöheren Position im Unternehmen entscheidet, welche Form angemessen ist.

Aber auch hier lockt eine Stolperfalle: Klären Sie bei einem vereinbarten „Du“ unbedingt auch ihr Umfeld über diese Entscheidung auf um Spekulationen und Büroklatsch zu vermeiden. Für Sie als Neuankömmling kann sich das ungezwungene „Du“ sonst zu einem Problem entwickeln.

Welche Regeln gelten denn nun beim Duzen oder Siezen?

Wer bietet wem das „Du“ an?

Im Berufsleben ist es immer der Ranghöhere oder der Kollege, der länger im Unternehmen ist, der das ‚Du‘ anbieten darf. Der Grundsatz „Ladies first“ spielt keine Rolle, auch das Alter bildet keinen Maßstabe für das richtige Anbieten der  persönlichen Anrede Du“.

Darf ich ein „Du“ ablehnen?

Natürlich! Seien Sie aber hierbei besonders sensibel:

Ein angebotenes „Du“ ist eine Gunstbezeugung. Eine Ablehnung kann daher schnell zu Missstimmung führen. Erklären sie Ihre Gründe und bleiben Sie dabei diplomatisch. Ein Argument könnte zum Beispiel sein, dass Sie berufliches und privates strikt trennen.

Darf ich vom „Du“ wieder zum „Sie“ wechseln?

Eigentlich ist genau das ausgeschlossen:

Hat Ihnen jemand das „Du“ angeboten und nimmt dieses nach einiger Zeit wieder zurück, können Sie davon ausgehen, dass die Basis Ihrer Zusammenarbeit einen großen Schaden erlitten hat. Meistens handelt es sich dabei um Grenzüberschreitungen oder die Weitergabe von Vertraulichkeiten, die ihr Gegenüber nicht akzeptieren kann.

Vom „Du“‘ zum „Sie“ zu wechseln widerspricht dem vorher Gesagten. Der Unterschied dabei aber ist: Kommunikation und Klärung.

Sie können unproblematisch nur dann vom „Du“ zum „Sie“ wechseln, wenn sich beide darin einig sind.

Ein griechisches Sprichwort besagt:

„Denn zeige mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bist“

In unserer Kultur gilt das „Du“ als Zeichen freundschaftlicher Zusammengehörigkeit. Wenn Sie also in Ihrer Tätigkeit als Solo-Selbständiger oder Freiberufler mit einer Art Community arbeiten, deren Vertrauensbasis das „Du“ rechtfertigt, ist es völlig in Ordnung, diese Anrede in allen Formaten zu verwenden.

Setzen sie allerdings eher auf eine sachliche und neutrale Kommunikation, die im übrigen nicht weniger persönlich sein muss, wählen Sie eher die Sie-Form als Anrede in Ihren Content-Formaten.

Für welche Anrede in Ihrem Business haben Sie sich entschieden? Und wie sind Ihre Erfahrungen damit? Lassen Sie es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Knigge-Wissen.de Sabine Lansing

Gastautorin Sabine Lansing

Knigge ist out? Im Gegenteil, Sabine Lansing, Gründerin von Knigge-Wissen.de klärt auf,  welche Umgangsformen Unternehmer in ihrem Business wirklich brauchen. Sie gibt Ihr Wissen dazu in Seminaren weiter und berät Unternehmen auf allen Hierachie-Ebenen zum richtigen Umgang mit Stolperfallen im Berufsalltag. Mehr zu Ihren Arbeiten finden Sie auf Ihrer  Webseite.

Beitrag teilen

Share on facebook
Share on pinterest
Share on xing
Share on email

Schreibe einen Kommentar